•  
  •  
PF Paso Fino

Paso Fino

Geschichte
Der Paso Fino ist eine südamerikanische Gangpferderasse und ist gleichzeitig Kolumbiens Nationalpferderasse. Zu den weiteren wichtigsten Nachzuchtsgebieten gehören: die USA, Puerto Rico, die Dominikanische Republik und Venezuela. Die Vorgeschichte des Paso Finos reicht bis ins Zeitalter der Entdeckungsfahrten im späten 15. Jahrhundert zurück. Damals nahmen spanische Konquistadoren, darunter auch Christoph Kolumbus, Pferde aus ihrer Heimat Spanien mit in die neue Welt nach Südamerika. Unter diesen Pferden waren drei Rassen vertreten: der Andalusier, der Berber und der Spanische Genet, welcher heute nicht mehr existiert. Bereits diese europäisch-stämmigen Pferde besassen einen speziell bequemen Gang und bildeten die genetische Grundlage für den heutigen Paso Fino. Die Südamerikaner hatten klare Vorstellungen, wie ihre Pferde sein sollten. Sie brauchten wendige, trittsichere und vor allem sehr bequeme Pferde, da sie während der Farmarbeit oft weite Distanzen auf dem Pferderücken zurücklegen mussten. Doch die Pferde hatten auch einen repräsentativen Zweck für den Besitzer und sollten aus diesem Grund sehr viel Eleganz und Schönheit verkörpern. Vorgegeben durch diese Zuchtideale züchtete man in Südamerika nur mit den schönsten und bequemsten Pferden. Zur gleichen Zeit kam in Europa die Kutsche auf. Das Interesse an bequemen Reitpferden sank. Das Hauptanliegen war es, mit den Kutschen möglichst schnell von einem Ort zum anderen gelangen zu können. Dieser Wunsch konnte durch trabende Pferde wesentlich besser erfüllt werden. Folglich züchtete man in Europa trabende Pferde, während in Südamerika nur mit den bequemsten Pferden gezüchtet wurde. Daraus resultierte, dass der spezielle Gang in Europa komplett verschwand und sich im Gegenzug im südamerikanischen Raum eine neue Rasse etablierte. «Los caballos con el paso fino»- die Pferde mit dem feinen Gang- wurden sie genannt. Später soll sich daraus die heute gültige Rassenbezeichnung Paso Fino entwickeln, was ins Deutsche übersetzt «feiner Schritt» heisst.

Verwendungszweck
In Europa ist der Paso Fino ein beliebter Partner für den ambitionierten Freizeitreiter. Sowohl bei abwechslungsreichen Ritten im Gelände als auch bei der Arbeit auf dem Reitplatz oder in der Halle ist der Paso Fino immer mit Eifer dabei. Aber auch im sportlichen Bereich kann der Paso Fino punkten. In Europa finden jährliche einige Turniere statt, an welchen jeder Paso Fino Reiter teilnehmen kann.
In den USA und Südamerika finden jedes Jahr sowohl kleinere Anlässe als auch grosse nationale und internationale Meisterschaften statt.

Seit 2013 verfügt die Paso Fino Szene in der Schweiz über einen eigenen Verein. Die Paso Fino Horse Association Switzerland (PFHAS) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bekanntheit und Verbreitung des Paso Finos zu fördern. Ausserdem stellt der Verein die offizielle Prüfungsordnung für Turniere speziell für Paso Finos in der Schweiz.
Weitere Informationen: www.pfhas.ch

Rassenbestand
Seit der Paso Fino in den 1980er Jahren seinen Weg zurück nach Europa gefunden hat, steigt seine Beliebtheit und Bekanntheit stetig weiter an. Aktuell gibt es schätzungsweise 1000 registrierte Paso Finos im europäischen Raum, wovon sich etwa 160 in der Schweiz befinden.

Zucht
In der Schweiz kommen durchschnittlich zehn Fohlen pro Jahr zur Welt. Die Pferde werden zwischen drei und vier Jahren eingeritten und erreichen im Durchschnitt ein Alter von 25 – 30 Jahre und sind meist auch bis in dieses Alter reitbar.

Zuchtziel
-im Quadrat-Typ stehendes Pferd mit harmonisch wirkendem Körperbau
-menschenbezogener, freundlicher und leistungsbereiter Charakter
-vier gut abgrenzbare Gänge: Schritt, Trocha, Paso, Galopp
-langlebiges, gesundes Pferd

Masse
-Stockmass zwischen 136 und 156cm, Gewicht durchschnittlich 400kg

Farbe
-alle Farben und Abzeichen erlaubt (in den Ursprungsländern werden Pferde ohne Abzeichen bevorzugt)
-Schecken stammen aus Linien aus Puerto Rico und sind in Kolumbien nicht gerne gesehen

Langhaar
-langes, dichtes Mähnen- und Schweifhaar
-Schweif typischerweise fahnenartig nach hinten oder gerade nach unten gestreckt

Gebäude
- feiner, aber gleichzeitig starker und athletischer Körperbau
-mittellanger Hals mit leichter Wölbung, der eher hoch am Rumpf angesetzt ist
-kräftiger Rücken mit leicht abfallender Kruppe
-korrekte stabile Gliedmassen

Gangverteilung
Der spezielle Gang, der sogenannte Paso, ist den Pferden angeboren und macht sie zu einer absolut einzigartigen Pferderasse. Der Paso ist eine natürliche Gangart im Viertakt, bei welcher sich immer zwei oder drei Beine des Pferdes auf dem Boden befinden. Durch diese Zwei- und Dreibeinstützen sind die Pferde extrem trittsicher und bequem zu reiten, so dass der Reiter beinahe erschütterungsfrei auf dem Pferderücken sitzen kann. Man unterscheidet den Paso in drei Tempi: Der Paso Corto ist das langsame Tempo, während der Name Paso Largo das schnelle Tempo umschreibt. Zudem gibt es den Classic Fino. Dabei handelt es sich um einen reinen Showgang, der nur von besonders talentierten Pferden gezeigt werden kann (Typ Classic Fino).  Neben dem Paso läuft der Paso Fino ganz normal im Schritt und Galopp. Der Trab ist nur bei wenigen Pferden vorhanden und wird in der Zucht nicht speziell berücksichtigt. Jedoch zeigen alle Paso Finos den Trocha. Dabei handelt es sich um eine Verschiebung vom taktreinen Viertakt des Pasos in Richtung Zweitakt des Trabes.

Temperament
Der Paso Fino verfügt über viel Leistungsbereitschaft und Wille seinem Menschen zu gefallen und versteht es, sich stets mit viel Eleganz und Ausdruck zu präsentieren. Diese Eigenschaft fasst der Kolumbianer unter dem Begriff «Brio» zusammen. Paso Finos verfügen rasseintern über unterschiedliche Temperamentsausprägungen. Aus diesem Grund lässt sich die Rasse in drei Typen einteilen:

-Pleasure-Typ: Dazu zählen Paso Finos, die in mässiger Versammlung bei weiten Bewegungen laufen.
-Performance-Typ: Zu diesem Typ gehören Pferde, die über ein höheres Mass an Versammlungsfähigkeit und akzentuiertere Bewegungen verfügen.
-Classic Fino: Diese Pferde zeigen den Paso in höchster Versammlung und bewegen sich mit kleinen, kurzen Schritten mit minimalem Raumgewinn vorwärts.

Sport
Die Prüfungsordnung des PFHAS ist stark an die offizielle Prüfungsordnung aus den USA angelehnt. In Europa wird grossen Wert auf die traditionelle Durchführung der Turnierklassen gelegt. Allerdings wurde der Inhalt auf europäische Standards angepasst und es wird beispielsweise grösseren Wert auf den Aspekt Horsemanship gelegt.

Reiterausbildung
In der Schweiz gibt es einige freischaffende Trainer, welche Reitunterricht und Beritt in traditioneller Paso Fino Reitweise mit klassischen Elementen anbieten. Zudem ist es möglich, die dreijährige Lehre als Pferdefachmann/-frau Richtung Gangpferde auf Paso Finos zu absolvieren.

Pferdeausbildung
Das junge Pferd wird nach ausgiebiger Vorbereitung vom Boden aus, langsam an Sattel und Zaumzeug gewöhnt. Während der ersten Ausbildungsphase wird es ausschliesslich gebisslos über das kolumbianische Bosal geritten. Erst später wird das kolumbianische Gebiss hinzugenommen. Während der nächsten Phase wird das Pferd mit zwei Zügel geritten; das heisst sowohl über das Bosal als auch über das Gebiss. Das fertig ausgebildete Pferd wird schlussendlich nur noch über das Gebiss geritten.
Das junge Pferd wird zu Beginn seiner Ausbildung hauptsächlich im Trocha geritten. Erst im Verlaufe der Ausbildung wird der reine Viertakt erarbeitet. Es gibt auch Pferde, die von Beginn an bereits unter dem Reiter den taktreinen Paso. Die grosse Mehrheit ist anfangs allerdings nur im Trocha unterwegs.

S.Meier/2017



Fotos von Andrea Gerber:
Paso Fino Hengst El Cazador de Luna Llena in typischer Dreibeinstütze      und in Zweibeinstütze
image-8551460-GPS_PF_7U0A0011.w640.jpg
image-8551457-GPS_PF_7U0A9950.w640.jpg