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IS Islandpferde

Die Kleinen aus Feuer und Eis



Geschichte

Mit ihren Drachenbooten brachten die Wikinger 874 n. Chr. die ersten Pferde, vorwiegend britischer und nordischer Abstammung, auf die unwirtliche Insel im Nordatlantik, der Insel aus Feuer und Eis.
Um das sonst schon von Hungersnot und Naturkatastrophen geplagte Land mit Ansteckungskrankheiten auf ihre Nutztiere zu verschonen, ist um das Jahr 800 ein Einfuhrverbot für Tiere erlassen worden. Jahrhundertelange Isolation und Reinzucht unter Mithilfe der Inzuchtresistenz haben unter härtesten Bedingungen ein überlebenswilliges und robustes Kleinpferd erschaffen, das Islandpferd.

Schon im Jahr 1788 riet Olafur Stephensson zur Verbesserung der Pferdezucht. 1819 wurde das erste Landesgesetz zur Zucht erlassen.

Der Zuchtberater Theoðór Arnbjörnson 1920-1939 schrieb das erste Zuchtbuch und wurde der Wegbereiter des strukturellen Aufbaues der Islandpferdezucht.

Sein Nachfolger, Gunnar Bjarnasson 1939-1961, schuf die Grundlage für die Entwicklung der neuen isländischen Reiterei und erdachte ein einzigar-tiges Beurteilungssystem für isländische Zuchtpferde.
In insgesamt sieben umfangreichen Bänden „Zuchtbuch und Geschichte des Islandpferdes im 20. Jahrhundert“ führte er die Arbeit seines Vorgängers weiter und verzeichnete alle, seit 1906 registrierten Zuchtpferde.

Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts gab es auf der ganzen Insel kein befestigtes Strassennetz und nur wenige Brücken über reissende Flüsse. So haben sich die speziellen Reitpferdegangarten, der Tölt und der Rennpass, bei den stolzen isländischen Gæðingar’s erhalten können.

1950 wurden am ersten nationalen Pferdetreffen, dem LandsMót, Zuchtpferde nach einem neuen Kör- und Beurteilungssystem und Sportpferde in den typisch isländischen Zucht-Gædingakeppni-Prüfungen und Rennen gemessen.

Was die Bekanntmachung und Verbreitung des Islandpferdes im Ausland anbelangte, leistete Gunnar Bjarnasson Mitte des letzten Jahrhunderts, in Zusammenarbeit mit der deutschen Journalistin Ursula Bruns, schlichtweg Grossartiges.
1000 Jahre nach der Landnahme kehrten die Islandpferde zurück auf den europäischen Kontinent.

Der Siegeszug der „Wikingerpferde“ war nicht mehr aufzuhalten!

Auch Þorkell Bjarnason 1961-1996 beeinflusste die heutige Islandpferdezucht bedeutend. Sein besonderes Interesse galt der Gangartenvielfalt des Fünfgängers, dem geschmeidigen Tölt und den über 70 Farbvarianten sowie dem Gebäude.

1969 gründeten Gunnar Bjarnason IS, Prof. Dr. Ewald Isenbügel CH, Walter Feldmann sen. DE, Max Indermaur CH, Gunnar Jonsson DK die FEIF (Internationale Föderation der Islandpferde Vereinigungen) www.feif.org.
Die FEIF regelt international mit der FIPO den Sport und mit der FIZO die Zucht und bewahrt die Reinrassigkeit des Islandpferdes, zurückverfolgbar bis nach Island.

In Zusammenarbeit der erfolgreichen isländischen Pferdeleuten Ragnar Hinriksson, Reynir Aðalsteinsson, Eyolfur Isolfson, Petur Behrens und Sigurður Bàrðarsson wurde 1970 die FT Félag Tamningamanna“, die isländische Bereiter Vereinigung gegründet.

Zuchtberater Kristinn Hugason 1986-1999 und der Genetiker Þorvaldur Arnasson erfassten 1991 alle Körurteile in der EDV Datei WorldFengur und arbeiteten ein Programm aus, das Zuchtwert und Zuchtwertprognose für Islandpferde errechnet, das BLUP-System (Best Linear Unbiased Prediction).

Àugust Sigurðson 1999-2004 erweiterte dieses erfolgreiche Zuchtprogramm und arbeitet heute mit Vikingur Gunnarsson international mit allen FEIF Ländern zusammen.

Weltweit sind seit 1995 alle FEIF FIPO Sportergebnisse im WorldRanking und seit 2000 alle FEIF FIZO Zuchtergebnisse im WorldFengur lückenlos erfasst www.worldfengur.com



Verwendungszweck
Mit dem Import der ersten Islandpferde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts legte sich der Grundstein der heutigen IPV CH (Islandpferde Vereinigung Schweiz) www.ipvch.ch
Für sie gilt das, was die Pioniere der Freizeitreiterei und der Offenstallhaltung erschaffen haben, zu verwirklichen und weiterzuführen. Die IPV CH fördert und regelt unter der FEIF den Sport, die Zucht und die Ausbildung der Islandpferdereiterei national.
In der Schweiz werden Islandpferde vorwiegend im Freizeitbereich für Jung und Alt eingesetzt. Ihre robuste Gesundheit, ihre unermüdliche Ausdauer, starke Tragkraft, um auch Erwachsene Reiter im Tölt problemlos über weite Strecken zu tragen und die unkomplizierte Robusthaltung macht sie zum idealen Freizeitpartner und Familienmitglied. Vielseitige und gesellige Freizeitaktivitäten werden vorwiegend durch Regionalvereine schweizweit abgedeckt.
Durch ihre handliche Grösse und ihrem offenen und freundlichen Wesen finden sie auch grosse Beliebtheit im Einsatz als Therapiepferd.



Rassenbestand
In der Schweiz steht eine geschätzte Population von ca. 5’000 Islandpferden und weltweit sind an die 250'000 im WorldFengur eingetragen, wovon ca. 100'000 im Ursprungsland Island leben.



Zucht
Mit durchschnittlich 50 Fohlengeburten jährlich ist die Islandpferdezucht in der Schweiz sehr klein. Islandpferde sind spätreif und erst mit 6 bis 7 Jahren ausgewachsen. Sie werden zwischen vier- und fünfjährig angeritten und erhalten dafür ihre volle Leistungsfähigkeit nicht selten bis 25jährig oder länger und können an die 40 Jahre alt werden.

Zuchtziel                    - Ein fruchtbares, robustes, gesundes, langlebiges Kleinpferd
           - Mehrgängig, leistungsbereit mit freundlichem Umgang

Masse                         - Durchschnittliches Stockmass 138cm, Gewicht 350-400kg

Farbe                          - Alle Abzeichen und Farben in über 70 Farbvarianten, ausser Tigerschecken

Langhaar                   - Mähne, Schopf und Schweif üppig, dicht und lang
                           - Kötenbehang

Gebäude                    - Kräftiges, rechteckiges Gebäude das genetisch fixierte Lateralgangveranlagung und natürliche gute Kopf-Halshaltung   
                                      ermöglicht
                                   - Tragfähige Gliedmassen, abfallende Kruppe

Gangverteilung         - Die einzigartige Gangverteilung verlangt taktklar getrennte Gänge:
            - Viergänger: Schritt, Tölt, Trab, Galopp
- Fünfgänger: Schritt, Tölt, Trab, Galopp, Rennpass

Temperament           - Gehwilliges, fröhliches, mutiges Reitpferd mit ausserordentlicher Leichtrittigkeit und stets darum bemüht seinem Reiter zu
                                     gefallen, ein isländischer Gæðingar

An nationalen und internationalen FIZO Körungen oder Zuchtbeurteilungen werden Noten von 5.0 (gleich 0) - 10.0 vergeben. Die Endnote besteht aus 40% für Gebäude und 60% für Reiteigenschaften wobei die Noten für Tölt und Rennpass einen höheren Koeffizient erhalten.

Zuchtlinien: Die heutigen Spitzenpferde stammen mehrheitlich aus der Svaðastaðir und der Hornafjörður Linie, aber auch Linien von Hindisvik und Stokkholmur haben noch Bedeutung.

> Svaðastaðir Linie     > Kolkuós Linie              Hörður 112 / Léttir / Hörður 591 / Stigandi 625
> Kirkjubær Linie           Von 2791 / Þàttur 722 / Raudhetta 6161
> Sauðàrkrókur Linie    Siða 2794 / Sörli 653 / Hervar 963 / Otur 1050
            > Misch Linie                 Hrafn 802 frà Holtsmuli / Orri 86186055 frà Þufu
> Hornafjörður Linie     > Skuggi Linie               Ófeigur 882 frà Flugumýri
             > Laugarvatn Linie        Nökkvi 260 frà Hólmi
             > Arnanes Linie             Ofeigur 818 frà Hvanneyri / Flosi 966 frà Brunnum



Sport
Die Vielseitigkeit des Islandpferdes ermöglicht es, in verschiedenen Sparten des Pferdesportes mitzuwirken. Die Stärke liegt aber ganz deutlich bei den rassetypischen Gangprüfungen der FIPO, die mit jährlichen Schweizermeisterschaften unter der IPV CH und den zweijährlichen Weltmeisterschaften unter der FEIF ausgerichtet werden.
Der Islandpferdesport benötigt für die Anforderungen der Gangartenreiterei zugeschnittene Oval- und Passbahnen von 200m - 300m, mit festem ebenem Untergrund. Viergang-, Fünfgang-, Tölt- und Passprüfungen sowie Passrennen werden schweizweit und international in unterschiedlichen Altersklassen und Schwierigkeitsgraden angeboten.



Ausbildung
Die speziellen Reiteigenschaften, der isländische Gehwille, der sehr bequem zu sitzende Tölt und der rasante Rennpass, erfordern eine gewisse Ausbildung von Reiter und Pferd.
Die IPV CH bietet dazu Reiter-, Trainer- und Bereiterausbildungen in unterschiedlichen Stufen und die nationale Zucht- und Sportrichterausbildung mit Prüfung an.
Die EFZ Berufsausbildung zum Pferdefachmann / -frau Gangpferde ermöglicht eine seriöse Grundschulung im Gangpferdereiten, in Anlehnung an die klassische Reitweise www.pferdeberufe.ch

Reiterausbildung
Geprüfte EFZ Pferdefachleute Gangpferdereiten und IPV CH Trainer fördern und begleiten Jugendliche und Erwachsene mit ihren Islandpferden von der Grundausbildung, über das Freizeitreiten bis hin zum Turniersport auf oftmals gut strukturierten Islandpferdebetrieben.

Pferdeausbildung
Entsprechend der Abstammung ist das zukünftige Gangpotenzial schon zu einem gewissen Mass bestimmt.
Um bei einem Jungpferd Lateralveranlagung zu sehen, beobachtet man es auf der Weide, in der Herde oder es wird auf dem Reitplatz frei laufen gelassen. Je nach Verwendungszweck sind unterschiedliche Veranlagungen erwünscht.
Zeigt das Pferd ohne Zutun des Menschen Lateralverschiebungen oder sogar taktklaren Tölt über grössere Strecken, steht dem zukünftigen Gang-vergnügen fast nichts mehr im Weg.
Nun ist die Erfahrung des Bereiters massgebend und was er aus dem talentierten Jungpferd letztendlich mit viel Sorgfalt fördert. Bei stark lateral-veranlagten Pferden ist es meist eine Frage des Gleichgewichtes und der Spannung. Der Tölt sollte im Laufe der Ausbildung mit wenig unterstütz-enden Hilfen zu reiten sein.
Bei knapp veranlagten Pferden, z.B. Viergängern mit wenig Tölt, ist eine seriöse klassische Grundausbildung im Vorfeld unerlässlich. Erst wenn es die Hilfen kennt, kann es mit gymnastizierenden Übungen auf das Eintölten vorbereitet werden.
Ist das Pferd nicht wirklich talentiert, sollte man bedenken, dass langwieriges und mühsames Eintölten nicht unbedingt tierfreundlich ist!
Das Training sollte individuell und auf das Leistungsvermögen und die Leistungsbereitschaft des Pferdes angepasst werden.

EB/17



Foto: Ursula Brun "Hengst Sorti frà Mula" im Tölt                                         Foto: Ursula Brun "Hengst Fengur frà Staagerup" im Rennpass

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